Aug 142017
 
 14. August 2017  Add comments

Der 12.02.2017: Ich sitze an diesem Sonntag Abend zu Hause und lese zufällig im Internet, dass es in den Ötschergräben zu einem tödlichen Eiskletterunfall gekommen ist. Dabei soll ein Mann aus Baden ums Leben gekommen sein. Sofort denke ich: Scheisse – das kann nur Flo sein! Die Eiskletterszene ist nicht groß. Und so viele Leute aus Baden klettern nicht im Eis. Sofort greife ich zum Telefon. Ich kann ihn nicht erreichen. Der zweite Anruf geht zu Jürgen – einem seiner allerbesten Freunde. Sofort bestätigt er meine Vermutung. Mir zieht es den Boden unter den Füßen weg! Flo war für mich mehr als ein Freund. Er war mein alpiner Lehrmeister. Wir haben viele gemeinsame Streifezüge durch die Berge gemacht und haben so einiges erlebt.

alte Freunde - Flo und ich bei unserem ersten Arcotrip

alte Freunde – Flo und ich bei unserem ersten Arcotrip

Wir hatten unsere Höhen, aber auch unsere Tiefen. Fast wie Brüder haben wir uns auch gestritten, aber dann auch wieder versöhnt. Es war eine rundum ehrliche und tiefe Freundschaft! Ich habe viel von ihm gelernt: am Berg und auch als Mensch. Er war immer gut gelaunt und hatte einen großen Bewegungsdrang. Gemeinsam mit meinem Jugendfreund Stefan haben wir im Sommer 2016 eine sehr schöne Erstbegehung begonnen. Meine Idee war, Flo diese Tour zu widmen. Schließlich versprach ich mir viel von der Felsqualität und der Kletterei. Im Juni 2017 konnte ich schließlich mit Stefan diese Tour fertig einbohren. Meine Vermutung hinsichtlich der Felsqualität und Kletterei bestätigte sich.

Pilastro di Misurina Westwand

Pilastro di Misurina Westwand

Stefan und ich bohren die Tour in zwei Tagen von unten ein

Stefan und ich bohren die Tour in zwei Tagen von unten ein

Felsqualität, Felsqualität, Felsqualität!

Felsqualität, Felsqualität, Felsqualität!

Am Tag nach Flo´s Bestattung wiederholten ich mit ein paar von seinen Freunden seine Lieblingstouren an der Hohen Wand. Dabei machten wir uns ein Wochenende in den Dolomiten aus. Wir übernahmen einfach den Termin, den Flo und ich uns noch eine gute Woche vor seinem Unfall fixiert hatten. Was würde passender sein, als an diesem Wochenende gemeinsam die erste Rotpunktbegehung der neuen Tour zu machen? Die Linie führt über die Westwand des Pilastro di Misurina in der Cadingruppe südlich der drei Zinnen. Der Platz hat was magisches: landschaftlich ist der Pfeiler total schön gelegen – mit Blick ins Cristallomassiv, den drei Zinnen und auf den Misurinasee.

Hans mit dem "Ungetüm" am Rücken auf den letzten Metern

Hans mit dem „Ungetüm“ am Rücken auf den letzten Metern

Michl bei den letzten Montagearbeiten

Michl bei den letzten Montagearbeiten

Stefan, Hans, Michl, Chris und i am Gipfel

Stefan, Hans, Michl, Chris und i am Gipfel

das Herz an seinem Platz

das Herz an seinem Platz

Dabei ist die Kletterei sehr, sehr schön und gut abgesichert. Flo würde die Tour sicherlich gut gefallen! Da es am „Gipfel“ noch nichts, abgesehen von einer grandiose Aussicht gab, fragte ich meinen Onkel Anda ob er etwas gestalten könnte. Er ist Tischer, leidenschaftlicher Bildhauer und Schnitzer. Heraus gekommen ist ein Herz aus Granit, das ca. 42kg auf die Waage bringt. Am Tag der Rotpunktbegehung kam dann Stefan auch noch mit. Anda begleitete uns zum Wandfuß. Mit gemeinsamer Kraft konnten wir die Route rotpunkt begehen und auch das Herz zum Wandfuß bringen, es über die Tour rauf ziehen, und am Gipfel platzieren. Es war eine richtige Schinderei! So wie es Flo sicher gut gefallen hätte! Flo: irgendwann sehen wir uns wieder!

Danke an alle die mit dabei waren und geholfen haben:
Anda für die Gestaltung und die viele Arbeit mit dem Herzen
Stefan für die tolle Erstbegehung
Michl, Chris & Hans für den tollen Tag und die spezielle Geste – nicht zu vergessen die irre Schinderei!

Zustieg zur Wand

Zustieg zur Wand

Topo Wolkenreise | Florian Thamer Gedächtnisweg

Topo Wolkenreise | Florian Thamer Gedächtnisweg

Dieses Video (klick drauf) von Michl gibt einen kleinen Eindruck über diesen speziellen Tag am Pilastro di Misurina. Flo es würde dir da oben gefallen!

Florian ist nicht mehr unter uns. Er ist jetzt in den Wolken. Zu seinen Leidenschaften gehörte auch das Paragleiten. Daher kommt auch der Name der Tour. Über Feedback von Wiederholern würde ich mich sehr freuen! Es wird noch eine Einstiegsplakette und ein Gipfelbuch installiert (ist bereits in Arbeit).

irgendwann sehen wir uns wieder!

irgendwann sehen wir uns wieder!

  2 Responses to “Wolkenreise – eine Tour für einen Freund”

  1. Ein schöneres Denkmal kann man einem Freund und Alpinisten wohl nicht setzen!
    Wenn es sich ergibt, werde ich die Tour sicher mal wiederholen.

    Bravo für diesen Einsatz!

  2. Ich sitz gerade vor deinem Artikel mit wehmütigem Herzen. Ich denke oft an diese Tour und die gesamte Kletterwoche in den Dolomiten. So viel hätten wir gemeinsam mit Flo noch unternehmen können- allein, er ist nicht mehr unter uns… Es war ihm vorbestimmt, und auch wir haben unsere Bestimmung- die wir Gott sei Dank nicht kennen.
    Hab soeben ein video eines Sonnenaufgangsfluges fertig gestellt- eine Leidenschaft, in die Flo voll reingekippt ist und die Flug für Flug bei mir noch immer wächst.
    Ich biwakierte am selben Platz, an dem ich das letzte Mal mit Flo oben war. Ich flog am Kaiserstein vorbei, bei dem wir so oft gemeinsam starteten. Ich landete auf der Wiese, die Flo bei seinen ersten Hüpfern gerade noch so traf.
    Und ich denke oft ans Burli…

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